Gers, Andreas - Edition Ecrilis

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Gers, Andreas

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Der Autor und Liedermacher Andreas Gers lässt sich nur schwer in eine Schublade stecken - und das ist auch gut so. Seine ambitionierten und klugen Texte beweisen, dass Unterhaltung und Anspruch nicht zwingend einen Widerspruch darstellen müssen. Sein Roman "Die Pendler" ist in unserem Verlagsprogramm vertreten. Es ist nun an der Zeit, Buch und Autor einmal näher vorzustellen.

Das Interview

Ecrilis: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Andreas Gers: Meine erste Kurzgeschichte habe ich in der Schule mit 16 geschrieben, als wir das Thema durchgenommen haben. Unsere Lehrerin hatte uns animiert, es doch ruhig mal selbst zu versuchen, nicht als Hausaufgabe, sondern freiwillig. Ich habe meine Geschichte allerdings nie der Lehrerin oder sonst jemandem gezeigt. Es war mir unangenehm, zu persönlich irgendwie, wie ein Striptease, obwohl es sich nur um eine kleine, unverbindliche Satire gehandelt hat. Aber der Stachel war gesetzt. Später war ich Sänger in einer Band und ich begann zu texten. Bald entstanden auch Gedichte. Die Faszination war immer, dass die Intuition Ideen hervor brachte, die ich mir selbst gar nicht zuordnen konnte.

Ecrilis: Was sind Ihre literarischen Vorbilder?
A. G.: Die lyrischen Vorbilder sind die Autoren komischer Gedichte, vorweg Christian Morgenstern, aber auch Ringelnatz, Busch, Erhardt und Roth. Ich liebe das Spiel mit den Worten, der Sprache. Bei der Prosa hat mich Mark Twain sehr fasziniert, ein begnadeter Geschichtenerzähler. Romane von Dickens oder Dostojewski habe ich verschlungen. Aber auch Kurt Tucholsky oder Gerhard Zwerenz und Günter Grass haben mich stark geprägt, genauso wie die großen Kinderbuchautoren wie Michael Ende oder Ottfried Preußler.

Ecrilis: Was wäre Ihr größter Wunsch als Autor?
A. G.: Wohl eines jeden Autors Wunsch ist – so auch meiner – dass viele Menschen gerne lesen und mögen, was man so geschrieben hat, ohne darauf Rücksicht nehmen zu müssen, was die Leser mögen. Sehr gerne würde ich namhaften Autoren gerne einmal begegnen, mich mit ihnen austauschen, sie zu ihren Beweggründen, zu ihren Helden, zu ihren Techniken befragen. Sehr sehne ich mich außerdem danach, mehr Zeit und Möglichkeiten zu haben, die vielen Ideen umzusetzen, die in Notizen auf vielen Zetteln verebben. Mehr Zeit und Geld zur Recherche zum Beispiel, eine Bühne und einen Regisseur für Musicals oder Theaterstücke, breitere Foren für aufwändigere Konzertprogramme, gute Musiker für Liedarrangements und und und …

Ecrilis: Welche Tipps würden Sie Jungautoren mit auf den Weg geben?
A. G.: Mir selbst hat in jungen Jahren der Rat eines Lesers sehr geholfen. Er hatte den Beginn eines Romans in die Hände bekommen und mich darauf angesprochen. Der Roman spielte auf einem Bauernhof. Er lobte zunächst den Text, meine Art mich auszudrücken und empfahl mir unbedingt weiter zu schreiben. Doch dann sagte er: „Allerdings - ich bin selbst auf einem Hof aufgewachsen. Man merkt deinem Text an, dass du es nicht bist. Ich empfehle dir, über Dinge zu schreiben, von denen du etwas weißt, die dich etwas angehen, die du erlebt oder bei der Recherche dir ernsthaft zu Eigen gemacht hast. Dann könnte es richtig gut werden.“
Diesen Rat habe ich nie vergessen und messe meine Texte immer wieder daran.
Ein zweiter Tipp ist die Selbstkritik. Oft ist man in sein Geschriebenes zu verliebt um zu bemerken, wo die Schwächen eines Textes sind. Von den vielen Absagen der Verlage mit dem Argument „der Text passt leider nicht in unser Programm“ habe ich mich nie entmutigen lassen. Aber konstruktive Kritik sollte man sehr ernst nehmen und gewissenhaft überdenken, selbst wenn viel Arbeit damit verbunden ist. Leider gibt es wenige Chancen für professionelle Kritik von Verlegern oder erfolgreichen Autoren.
Ein dritter Tipp, der aus leidlicher Selbsterfahrung entspringt: Der rote Faden. Für längere Texte ist es zwingend wichtig, sich viel Zeit für eine Gliederung, ein Gerüst, eine Durchplanung bis zum Ende zu nehmen, was mir persönlich immer sehr schwer fällt. Schon viele meiner Ideen sind nach zwanzig Seiten verebbt, weil die Geschichte nicht zu Ende gedacht war und nach und nach im Chaos von Widersprüchlichkeiten versinkt. Wenn das Gerüst steht, eröffnen sich wunderbare Spielräume der Kreativität und der Spontaneität innerhalb der Kapitel, ohne das man sich frustriert verfranst.

Ecrilis: Wovon lassen Sie sich für Ihre Geschichten inspirieren?
A. G.: Bei der Entstehung von Kurztexten oder Gedichten ist es oft die Intuition, die man nicht erzwingen kann. So wie es einem Fotografen geht oder einem Maler, erkennt man plötzlich Motive für einen Text, ohne dass man darüber nachgedacht hat. Auch Romanen liegt oft eine solche kleine Intuition zugrunde. Die Inspiration zum Handlungsstrang und dessen Ausgestaltung kommt aber immer aus den Gefühlen und Erfahrungen der eigenen Welt, durch die man geht, und die die Fantasie im besten Fall so stark beflügelt, dass eine neue Welt entsteht.

Ecrilis: Welches Buch ist Ihr persönliches Lieblingsbuch?
A. G.: Immer wieder neu das Buch, in das ich gerade versinke. Gerade war es von Sara Gruen „Wasser für die Elefanten“.

Ecrilis: Angenommen, Ihr Roman würde verfilmt werden: Welche Besetzung und/oder welcher Regisseur würde Ihrer Meinung nach Ihr Werk am besten umsetzen?
A. G.: Wenn ich im stillen Kämmerlein von einer Verfilmung träume, denke ich an Rainer Werner Fassbinder, der ja leider schon tot ist. Ich kenne mich im Filmgeschäft schlecht aus, so dass ich hier überfragt bin. Ich stelle mir Charakterdarsteller vor, die den Mut zum Verrücktsein, das Eigenwillige der handelnden Personen innerlich wie auch äußerlich vermitteln. Der Regisseur müsste Tabulosigkeit zulassen, die nicht abstößt sondern anstößt, die ausgetretenen Pfade des Alltags hin und wieder zu verlassen. Nicht als große Revolution, sondern im persönlichen, eigenen Umfeld des Lebens.

Ecrilis: Schreiben Sie bereits an einem neuen Roman? Wenn ja, können oder möchten Sie schon etwas darüber erzählen?
A. G.: Ja, es gibt eine neue Romanidee. Mich fragte neulich eine Freundin, was ich eigentlich beruflich so mache. Insbesondere meine Kartierarbeiten im Gelände interessierten sie sehr, sie wäre gern einmal einen Tag mitgelaufen. So kam ich auf die Idee, vor diesem Hintergrund eine Geschichte zu entwickeln. Es wird eine romantisches Sommer-Liebes-Erlebnis, so wie es aussieht…

Ecrilis: Wie gehen Sie mit einer Schreibblockade um?
A. G.: Ich genieße sie. Nehme mir Zeit für all die vielen Dinge, die in kreativen Schreibphasen zu kurz kommen. Ein Vergleich ist das Kinderkriegen. Viele Paare können sich den Kinderwunsch erst erfüllen, als sie ihn aufgegeben haben. Die Ideen und Einfälle kommen von selbst wieder, sie können nicht erzwungen werden.

Ecrilis: Was ist für Sie für ein gutes Buch besonders wichtig?
A. G.: Es gibt Bücher, von denen ich erwarte, dass sie mich so fesseln, dass ich nachts weiterlesen muss, obwohl früh morgens die Pflicht ruft. Es gibt auch Bücher, in deren wunderschöne Sprache ich mich verliebe, in denen ich Passagen mehrmals lese, nur weil sie so schön komponiert sind. Und es gibt Bücher, deren Themen mich persönlich angehen, aus denen ich etwas lernen und erfahren möchte. Allen gemeinsam ist, dass sie eine neue, eigene Welt in mir erzeugen, die zu meiner eigenen, ganz persönlichen Welt wird. Im Grunde sind also alle Bücher für mich besonders lesenswert, von deren Verfilmung ich enttäuscht bin, weil sie nie mein eigenes erschaffenes Bild treffen können.

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Autorenbiographie

 
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